Gastelternreise nach Weißrussland vom 23.04. bis 01.05.2011
aus Anlass des 25. Jahrestages des Tschernobyl Unglückes
Reisebericht1EIN BESUCH BEI FREUNDEN


Sonnabend:
Abfahrt: Berlin Hauptbahnhof am 23. April um 15.34 Uhr im Liegewagen

Sonntag:

Minsk- Ankunft
In Minsk auf dem Hauptbahnhof kamen wir am 24. April um 13.35 Uhr an. Trotz 100 min Verspätung wurden wir von Soja und Andre´ erwartet. Für die Fahrt zum Hotel „Tourist“ hatte Andre´ 2 Kleinbusse bestellt. Durch die Vielzahl unserer Gepäckstücke wäre eine Fahrt  mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr problematisch.
Nach dem Hotel-Einchecken wurde der Nachmittag zur Erholung (meist Besuch des  Kaufhauses, Geld wechseln: Kurs 1€= 4 500 BRL und/ oder Kaffee trinken) genutzt.
Um 18 Uhr holten uns Soja und Andre´ am Hotel ab. Mit der Metro fuhren wir zum Staatszirkus. Er befindet sich in einem runden, neu renovierten Gebäude, das sowohl außen als auch innen einen grandiosen Eindruck hinterließ. Der wurde nur noch von der Vorstellung selbst getoppt. Wir sahen artistische Darbietungen der Spitzenklasse.
Gegen 22 Uhr trafen wir im Restaurant neben der Kathedrale ein. Andre´ hat einen Raum für uns bestellt. Am mit weißrussischen Spezialitäten reichlich gedeckten  Tisch verbrachten wir den Begrüßungsabend auf das Beste.


Montag:

Minsk
Nach dem Frühstück holten uns Soja und Andre´ um 10 Uhr zur Stadtbesichtigung ab. Sie begann auf dem Leninplatz mit Blick auf das Regierungsgebäude, die Universität, die katholische Kirche und das Postamt. Beim Spaziergang besuchten wir kurz den katholischen Gottesdienst, das sehr sehenswerte Postamt und die orthodoxe Kathedrale. Auf der Rückfahrt zeigte uns Soja den Ort in der Metro, wo das Bombenattentat stattfand. Wir waren erstaunt darüber, dass bereits alle Spuren beseitigt waren. Beeindruckend war die GedenkReisebericht1astelle am Eingang der Metrostation Oktjaberskaja, wo große Fotos der 12 Opfer blumengeschmückt an das Verbrechen erinnern.

Nachmittags kauften wir Lebensmittel (Würstchen, Salami, Schinken, Käse, Brot …) für das Treffen mit den Eltern und Kinder in Neglubka im Univermag ein.
Treffen mit Kindern und Eltern der 1. Kindergruppe 1991
Für den Abend hat Soja ein Treffen mit Kindern und Eltern der 1. Reisegruppe vorbereitet. Dieser Reisehöhepunkt war für alle sehr nachhaltig. Soja und Renate erzählten, wie 1991 unsere Tschernobylkinderaktion begann. Das älteste Mädchen der Gruppe, Diana, heute 34 Jahre alt und das damals mit 7 Jahren jüngste Kind - Andrej und seine Mutter, aber auch alle anderen Teilnehmer erzählten, was sie vor der Fahrt nach Deutschland fühlten, wie es ihnen heute geht und welche Erinnerungen sie an Deutschland haben. Auch alle Deutschen berichteten kurz, wann und wodurch sie zur Tschernobylkinder-Initiative gekommen sind.
Höhepunkte des Abends waren die Aufnahme von Soja Jurowa als Ehrenmitglied im Verein, die Einladung von Dianas Tochter (bereits 12 Jahre) für den Sommer 2012, viele herzliche Wünsche und natürlich Gruppenfotos.

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Dienstag:


Wetka - Neglubka

An diesem Tag wollte unsere Reisegruppe unbedingt an der Kundgebung zum Gedenken der Opfer von Tschernobyl in Wetka teilnehmen. In Wetka, Kreisstadt von Neglubka und Wohnort der Kinder der ersten Kindergruppen, nahm bereits vor 5 Jahren eine Delegation von uns an der Gedenkveranstaltung zum 20. Jahrestag teil.
26. April - 25. Jahrestag des Tschernobyl Unglückes
Die Kundgebung fand um 11 Uhr statt. Darum begann unser Tag sehr zeitig.  Um 6 Uhr saß die Reisegruppe im Kleinbus und das zahlreiche Gepäck war im Anhänger verstaut. Unser Busfahrer fuhr zügig. Das Picknick im Walde wurde auf eine halbe Stunde beschränkt und so kamen wir fast pünktlich an. Hier wurden wir von 3 Familien der 1. Jahre begrüßt (Allelujewa, Schitikowa und Solomennij).
Nach dem offiziellen Teil der Kreisverwaltung (Festansprache, Kinderprogramm und Beitrag der Geistlichen) bildeten wir unseren Kreis. Mit den von Heinrich Losch gestalteten Teelichten gedachten wir nach einer kurzen Ansprache in Russisch - (Der Dank dafür gebührt Frau Hannuschka-Horst, die diese im Russischkurs vorbereitete.) - den Opfern von Tschernobyl aber auch von Fukushima.Reisebericht3

Danach ergänzten wir die Einkäufe von Minsk noch durch Obst und Gemüse aus Wetka, da wir wussten, dass das in Neglubka so nicht zu erhalten war.
Auf der Fahrt nach Neglubka gab es einen Halt am Eingang in die radioaktive Zone. Das Grenzhäuschen gibt es noch. Es ist aber nicht mehr besetzt wie noch 2001 und 2003, da die Regierung festgelegt hat, dass die Radioaktivität auf unbedenkliche Werte zurückgegangen ist.
In der Schule Neglubka wurden wir bereits erwartet. Bereits auf dem Schulhof begrüßten uns die Kinder, die bereits bei und zu Gast waren. In einem Klassenzimmer wurden wir empfangen, bewirtet und mit den Gastfamilien bekannt gemacht. Dann fuhr uns unser Bus in unsere Unterkünfte.
Mit unseren Gastgebern spazierten wir am Abend durch das Dorf zur Schule. Dabei wurde uns voller Stolz gezeigt, was in den letzten 3 Jahren neu in Neglubka gebaut wurde. Durch einen Staatskredit wurde die Schule, der Kindergarten, das Jugendhaus, die Poliklinik und eine Straße saniert. Etwa 15 neue Häuser wurden gebaut, in denen hauptsächlich Umsiedler aus den Kriegsgebieten um Afghanistan und dem Kaukasus wohnen.

Treffen mit Eltern und Kindern der Reisegruppe von 2010 und 2011

In der Schule wurden die Tische des Speiseraumes von den Müttern unserer Gastkinder mit den von uns mitgebrachten Lebensmitteln gedeckt. Anwesend waren die Eltern und Kinder der letzten und der neuen Tschernobyl-Kindergruppe sowie wir und unsere weißrussischen Gastgeber.
Der Abend begann mit der Ansprache zum Gedenktag. Alle Anwesenden erhoben sich zu einer Schweigeminute. Danach wurde die von Friderun Losch gestaltete Kerze der Schulleiterin für das Schulmuseum übergeben.
Wichtig für uns war das Vorstellen der 10 Kinder aus Neglubka, die in diesem Jahr an der Sommeraktion in Frauendorf teilnehmen werden. Die Mütter haben die Gelegenheit genutzt, um Geschenke an ehemalige und zukünftige deutsche Gasteltern zu überreichen, oft mit der bescheidenen Bitte verbunden, gut auf die Kinder zu achten. Hier spürten wir das große Vertrauen der Eltern, die ihre Kinder auf einen so weiten Weg in eine für sie fremde Welt zu schicken, in uns.
Mit persönlichen Gesprächen in den Familien endete dieser lange und erlebnisreiche Tag.

Mittwoch:

Neglubka

9.00 Uhr - Kirche
Entsprechend dem Landesbrauch setzten alle Frauen ein Kopftuch auf, bevor die Gruppe die kleine aber feine Dorfkirche betrat. Wir waren sehr angenehm überrascht, als uns Oitjez Fedor im Kirchengewand mit einer für uns vorbereiteten persönlichen Ansprache begrüßte. Mit seinen Familienmitgliedern hielt er danach für uns einen Gottesdienst und segnete uns abschließend durch Auflegen des Kreuzes. Er bat uns Grüße von Kirche zu Kirche zu überbringen und gab uns für die Kirche Frauendorf eine kleine Ikone mit.Reisebericht4

9.50 Uhr - Kindergarten

Die Kindergartenleiterin begrüßte uns bereits vor dem Haus. Bei einem Rundgang, an dem auch der Bürgermeister teilnahm, sahen wir uns das renovierte und
geräumige Haus an. Für 20 Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren stehen 16 Erzieherinnen und Mitarbeiter des technischen Bereichs zur Verfügung!
Die Kinder präsentierten sich in einem reizenden Programm durch ein Theaterstück, Liedern und Tänzen. Anschließend wurden wir mit Torte und Häppchen bewirtet.Reisebericht5

11.50 Uhr - Schule

In der Schule empfing uns die Schulversammlung in der hinteren Pausenhalle. Christina Saraseko - Schülerin der 10. Klasse und zweimal unser Gastkind - begrüßte uns traditionell mit einem Brot auf dem Ruschnik. Nach den Begrüßungsworten der Schulleiterin erhielt jeder Gast ein weißrussisches Holzei und die Schulkinder gestalteten ein Programm für uns. Sehr viele der 90 Schüler in den 11 Klassen waren uns durch einen Ferienaufenthalt bekannt. Nach dem Mittagessen aus der Schulküche gingen wir „nach Hause“.

16.00 Uhr -  Verteilen der Spenden der Kirchgemeinde Lauchhammer

Für bedürftige Familien hat die Kirchgemeinde Lauchhammer Geld zum Verteilen mitgegeben. So besuchten einige Personen unserer Gruppe:

Чумак Аня, Гавриленко Мария, Парфенова Наталья, Демчихина Наталья, Семья Пермолотовых, Семья Леуто, Азизов Алик, Семья Бруховецких, Белендык Татьяна, Шаблинская Наталья, Шилай Наталья, Мищенко Елена, Жук Татьяна, Хрущев Андрей und Шаршова Оксана

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Hier sahen wir, wie wichtig unsere Hilfe ist und wir waren froh, etwas Freude bereiten zu haben. 

19.00 Uhr - Treffen mit den Lehrerinnen

Am Abend waren wir wieder in der Schule, diesmal auf Einladung der Lehrerinnen.

Donnerstag:

Gomel - Paritschi

9 bis 10 Uhr - Abschied in Neglubka

Nach einer Vorführung im Webraum der Schule - hier erlernen die Mädchen die für dieses Gebiet berühmten Handwebmuster, hatten wir einen langen Abschied von „unseren“ Kindern und Gastgebern.Reisebericht7

 

 

Gomel


Auf dem Weg nach Paritschi machten wir Halt in der Bezirksstadt Gomel. Hier leben rund 500 000 Menschen. Wir spazierten im Schlosspark und bummelten im Kaufhaus. Bei herrlichem Wetter hatten wir danach am Waldrand ein gemütliches Picknick.Reisebericht8

Ankunft in Paritschi
Pünktlich um 18 Uhr erreichten wir Paritschi. Pawel und Elena Aniskowetz begrüßten uns herzlich. Elena begleitete uns dann zu den Häusern unserer Gastfamilien. Hier verbrachten wir den Abend bei sehr reichhaltigen Abendessen.

 

Freitag:


Paritschi

10 Uhr - Kirche

Auch in Paritschi begann das Besichtigungsprogramm in der Kirche. Hier erlebten wir einen Gottesdienst in der Osterwoche.
Jugendhaus
Sehr interessiert waren wir beim Besuch des Jugendhauses, das sich seit mehreren Jahren durch Elena und Pawel Aniskowetz sowie ihrem Freundeskreis im Aufbau befindet. Stolz zeigten sie uns die Ergebnisse ihrer sehr fleißigen Arbeit. Der Fußboden, die Decke und die Elektrik in der unteren Etage sind fertig. Die neue Heizung funktioniert. Im oberen Geschoss ist bereits vorgerichtet. Möbel, die aus
einer Spendenaktion aus Deutschland stammen, warten bereits auf die Fertigstellung.
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Kulturhaus

Im Kulturhaus begrüßte uns die stellvertretende Leiterin. Sie war Renate Kolata noch gut bekannt, da sie in Frauendorf Gastkind war. Wir waren von dem prächtigen Gebäude und den ausgezeichneten kulturellen Möglichkeiten, die die Bevölkerung hier hat, sehr beeindruckt.Reisebericht10

Kindergarten

Im Kindergarten führte uns die Leiterin durch liebevoll gestaltete Räume, in denen wir uns von der niveauvollen Kinderbetreuung überzeugen konnten. Bedarf besteht an Bettwäsche und einer Nähmaschine.

Haus der Jugend

Nach dem Mittagessen in einem Restaurant und einer kurzen Freizeit trafen wir uns am späten Nachmittag im Haus der Jugend. Die Leiterin der Einrichtung begleitete uns auf einem Rundgang durch ihr Haus. Wir erhielten einen Einblick in die vielfältigen Freizeitangebote, die den Schulkindern bis zur 11. Klasse kostenlos zur Verfügung stehen. Pawel und Elena arbeiten hier als Arbeitsgemeinschaftsleiter.
Hier wurden uns die 10 Kinder, die aus Paritschi im Sommer zu uns kommen, vorgestellt.
Im Theatersaal des Hauses erwarteten uns bereits Kinder und ihre Eltern zu einer Feierstunde. Elena hielt eine Festansprache, bei der sie über die Entwicklung unserer Beziehungen berichtete und Familien ehemaliger Kinder vorstellte. 
14 ehemalige Gastkinder sangen für uns „Katjascha“ und zwei kleine uns noch unbekannte Kinder (Die Familien erhielten eine Geldspende der Kirchgemeinde Lauchhammer) hatten einen gelungenen Soloauftritt.
Dann wurden alle zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Mit kleinen Ansprachen (vor allem Renate Kolatas Worte waren sehr bewegend) und lustigen Tanzspielen ging der Abend für alle sehr vergnüglich weiter.

Sonnabend:

Fahrt nach Minsk

Der Abschied in Paritschi versammelte noch einmal alle Kinder und ihre Eltern auf dem Busplatz. Mit guten Wünschen und vielen Geschenken ausgestattet fuhren wir gegen 10 Uhr ab. Bei einem reichhaltigen Picknick verabschiedeten wir uns offiziell bei unseren weißrussischen Begleitern, Soja, Andre’ und den beiden Busfahrern und dankten ihnen für ihre Unterstützung. Ohne ihre Hilfe wäre diese Reise für uns nicht durchführbar.
Um 15.39 Uhr waren wir wieder im Zug. Auf der langen Heimreise hatten wir uns viel zu erzählen und wir haben uns über unsere Eindrücke ausgetauscht. 
Der Satz: „Weltanschauung kommt von Welt anschauen.“ ist mir dabei in Erinnerung geblieben.

Sonntag:

Ankunft  8.43 Uhr auf dem Hauptbahnhof in Berlin

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